„Souveränität im Netz – Wie eine europäische Webdateninfrastruktur Freiheit, Wirtschaft und Demokratie stärkt“

Im Rahmen von #ossym 2026 laden wir gemeinsam mit dem Weizenbaum-Institut herzlich zu einer Abendveranstaltung mit Podiumsdiskussion rund um das Thema „Souveränität im Netz“ in Berlin ein.

  • Format: Podiumsdiskussion mit anschließendem Networking (inklusive Häppchen)
  • Datum: 8. Oktober 2026, 19:00 Uhr
  • Ort: Weizenbaum-Institut, Hardenbergstrasse 23, 10623 Berlin

    Weizenbaum Event

Die Entwicklung wettbewerbsfähiger europäischer Dienste im Bereich der Künstlichen Intelligenz – insbesondere bei innovativen Ansätzen wie der agentischen KI und dem Retrieval-Augmented Generation (RAG) – erfordert den Zugriff auf valide, großskalierte Webdaten. Derzeit wird die Wertschöpfung aus diesen öffentlich zugänglichen Daten im Internet fast ausschließlich von wenigen außereuropäischen Monopolisten betrieben. Diese Intransparenz birgt massive Risiken für Europa: Verzerrte Informationen, einseitig trainierte KI-Modelle und Produkte, die europäische Werte und Rechtsvorschriften nicht widerspiegeln, gefährden unsere digitale Souveränität und demokratischen Diskurse.

Politische Initiativen wie das Digital Commons EDIC sind wichtige Meilensteine, greifen ohne eine eigene, offene und umfassende Datenbasis für das Web jedoch zu kurz. Europa benötigt dringend eine unabhängige Websuche und Webateninfrastruktur als Fundament für Innovation und Freiheit.

Kernfragen der Diskussion:
  • Wie sichern wir den freien und unvoreingenommenen Zugang zu globalen Informationen für europäische Unternehmen und die Wissenschaft?
  • Welche Rahmenbedingungen muss die Politik schaffen, um den Monopolen der Drittstaaten-Anbieter eine offene, wertebasierte Alternative entgegenzusetzen?
  • Wie stärkt eine eigenständige Dateninfrastruktur die Resilienz unserer Demokratie und Wirtschaft im KI-Zeitalter?
Bisher bestätigte Panelist:innen:
  • Stefan Mesken (Chief Scientist, DeepL)
  • Esther Görnemann (Referentin für Forschungssynthesen, Weizenbaum-Institut)
  • Stefan Voigt (Vorstandsvorsitzender Open Search Foundation; Forscher am DLR)

Moderation: Olivier Blanchard (Leiter der Arbeitsgruppe „Economy“ der Open Search Foundation, Unternehmensberater)

Anmeldung:

Die Anmeldung für die kostenfreie Teilnahme vor Ort ist ab sofort möglich. Bitte meldet euch hier an.
Weitere Informationen zur Abendveranstaltung findet ihr hier. Etwaige Änderungen sind vorbehalten.

Open Source als Ehrenamt – ein Sichtbarkeitsproblem?

Ehrenamtliche Arbeit wird besonders dann als erfüllend wahrgenommen, wenn ihre Wirkung unmittelbar spürbar ist – etwa in der Arbeit mit Menschen oder Tieren. Ein Lächeln, ein Fortschritt, eine direkte Veränderung: Solche greifbaren Ergebnisse motivieren und machen Engagement für alle Beteiligten nachvollziehbar.

Doch es gibt auch Formen des Ehrenamts, deren Wirkung weniger sichtbar ist und gerade deshalb oft unterschätzt wird. Dazu zählt auch die Mitarbeit an Open-Source-Projekten. Die Arbeit passiert oft im stillen Kämmerlein, abseits vom Rampenlicht; Ergebnisse sind häufig abstrakt und daher nicht immer unmittelbar wahrnehmbar – aber keineswegs weniger bedeutend.

Die Petition Open Source als Ehrenamt von Boris Hinzer setzt genau hier an: Sie verfolgt das Ziel, Open-Source-Arbeit stärker als ehrenamtliches Engagement anzuerkennen und ihr mehr gesellschaftliche Wertschätzung sowie Unterstützung zu verschaffen. Als Open Search Foundation unterstützen wir diese wichtige Aktion mit unserer Stimme.

Unsichtbar, aber unverzichtbar

Was würde eigentlich passieren, wenn diese Arbeit plötzlich wegfallen würde?

Der Folgen dessen sind wir uns häufig gar nicht richtig bewusst. Dabei zeigt ein Blick auf die Zahlen, wie groß die Bedeutung von Open Source Arbeit längst ist: Plattformen wie GitHub dokumentieren eine stetig wachsende Open Source Community. Allein in öffentlichen Repositories wurden in Jahr 2025 über 1,12 Milliarden neue Beiträge verzeichnet – ein globales Rekordhoch.

Schätzungen zufolge stammen rund 50% dieser Beiträge von überwiegend unbezahlten Entwickler:Innen (Linux Foundation, Dezember 2024). Zwar werden große Projekte teilweise auch von Unternehmen unterstützt, doch ein erheblicher Teil der Arbeit basiert auf freiwilligem Engagement.

Gleichzeitig kämpfen viele Projekte mit strukturellen Problemen, wie fehlender Finanzierung, Zeitmangel und rechtlichen Unsicherheiten, wodurch ihre Entwicklung ausgebremst wird.

 

Der Aufwand hinter der Software

Open-Source-Entwicklung ist kein beiläufiges Hobby, sondern in Art und Umfang der Arbeit vergleichbar mit einem zweiten Job. Im Durchschnitt investieren Entwicklerinnen und Entwickler etwa neun Stunden pro Woche in ihre Projekte – in intensiven Phasen sogar bis zu 40 Stunden. Dies zeigt die Studie der Linux Foundation vom Dezember 2024.

Das Ergebnis dieser Arbeit nutzen wir täglich, meist ohne es zu merken:
OpenStreetMap, Thunderbird, Mozilla Firefox oder die Open Source Alternative zu MS Office, das LibreOffice, sind nur wenige bekannte Beispiele.

Darüber hinaus existieren Open-Source-Projekte, die längst zur kritischen Infrastruktur gehören, die jedoch in unserem Alltag eher unsichtbar sind. Der Linux-Kernel oder OpenSSL, eine Kryptobibliothek, bilden die Grundlage für zentrale Bereiche unserer digitalen Welt – sie sind auch entscheidend für eine sichere Internetkommunikation.

Wartung statt Prestige

Ein zentraler, oft übersehener Aspekt ist die kontinuierliche Pflege dieser Projekte. Open Source bedeutet nicht nur, neue Software zu entwickeln, sondern bestehende Systeme langfristig zu warten, Fehler zu beheben und die Systeme sicher zu halten.

Die vielversprechenden Features werden häufig bezahlt – unsichtbare, aber essenzielle Grundlagenarbeit bleibt dagegen oft bei freiwilligen Mitwirkenden hängen.

Mehr als nur Code

Freie, transparente und nachvollziehbare Software ist ein zentraler Baustein des digitalen Gemeinwohls. Sie ermöglicht Innovation, schafft Vertrauen und reduziert Abhängigkeiten.

Gerade in Europa spielt Open Source eine entscheidende Rolle für die digitale Souveränität. Ohne sie wären viele staatliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse deutlich anfälliger und weniger unabhängig. Dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, lässt sich auch durch einen Aufruf der EU Kommission zur Stellungnahme zu quelloffenen digitalen Ökosystemen von Januar dieses Jahres ableiten.

Gleichzeitig lastet auf freiwilligen Entwickler:Innen eine enorme Verantwortung – häufig ohne angemessene Anerkennung oder Absicherung.

Zeit für mehr Anerkennung der Open Source Arbeit

Genau hier setzt unser Wunsch an, Open Source Arbeit als Ehrenamt stärker anzuerkennen.
Eine solche Anerkennung könnte beispielsweise konkrete Verbesserungen bringen:

  • Steuerfreie Aufwandsentschädigungen
  • Fairere Haftungsregelungen

Offensichtlich ist, dass Open Source vor allem in Deutschland, aber auch global längst kein Nischenphänomen mehr ist, sondern vielmehr tragendes Fundament unserer digitalen Infrastruktur.

Als Open Search Foundation ist es uns deshalb ein besonderes Anliegen, diese Arbeit sichtbarer zu machen und zu stärken.

Mehr zur Petition „Open Source als Ehrenamt“ von Boris Hinzer findet ihr hier: https://www.openpetition.de/petition/online/anerkennung-von-open-source-arbeit-als-ehrenamt-in-deutschland

Eines ist klar: Wenn unsere Gesellschaft den Wert von Open Source weiterhin übersieht, riskieren wir langfristig genau diese Stabilität, auf die wir uns heute selbstverständlich verlassen.

 

 

Das 8. Internationale Open Search Symposium (#ossym) bringt Expert:innen und Nutzer:innen aus den Bereichen Informatik, Recht, Ethik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen.

Das #ossym2026 findet vom 7. bis 9. Oktober 2026 als Hybridveranstaltung in Berlin statt. Ausgerichtet wird das Event an der CODE University of Applied Sciences und unterstützt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Das Thema der diesjährigen Konferenz lautet „Boosting Digital Sovereignty“.
Seid dabei und erlebt inspirierende Vorträge, tiefgründige Diskussionen und die neuesten Forschungsergebnisse zu offener und dezentraler Websuche, offener Web-Dateninfrastruktur und deren Rolle in der KI.

Programmschwerpunkt: Offene Websuche & KI im Kontext von Souveränität

Wir interessieren uns insbesondere dafür, wie eine offene Web-Dateninfrastruktur der aktuellen Konzentration von Webdiensten, dem Werteverlust und dem regulatorischen Druck entgegenwirken kann. Zu den zentralen Fragen gehören dabei:

  • Wie können eine offene Websuche und Web-Dateninfrastruktur die digitale Vielfalt stärken?
  • Welche technischen und wirtschaftlichen Konzepte erhöhen die Akzeptanz und Resilienz?
  • Welche ethischen und rechtlichen Fragen müssen geklärt werden, damit solch ein Ansatz funktioniert?

Keynotes

Zu den bestätigten* Hauptrednern gehören:

  • Stéphane Beemelmans (DLR)
  • Peter Gehle (DLR)
  • Julian Kunkel (GWDG / Universität Göttingen)
  • Aline Blankertz (Structural Integrity)
  • Stefan Mesken (DeepL)
  • Hannes Taubenböck (DLR)

Themenbereiche und Vorträge

Das #ossym2026 bietet ein hybrides Format mit wissenschaftlichen Vorträgen, Postersessions, Podiumsdiskussionen, Demonstrationen und informellen Diskussionsrunden. Die Konferenz umfasst wissenschaftliche Themenbereiche zu:

  • Crawling
  • Informationsgewinnung
  • Räumliche Modellierung
  • KI in der Wissenschaft
  • Webdatenbasierte Anwendungen

sowie Sessions zu folgenden Themen:

  • Ethik & Gesellschaft
  • Rechtliche Aspekte der offenen Websuche und des KI-Trainings
  • Nutzerverhalten und Präferenzen bei Suche und KI

Workshops und Community-Formate

Zu den Workshops und Community-Aktivitäten gehören (unter anderem):

  • Bewertung von Entwurfsmustern für rechtskonforme Open Web Index und Suchmaschinensysteme
  • Tools gegen Desinformation
  • Arbeitsgruppe „Open Web Data“ von EuroHPC
  • Studierenden-Projektsession / Tutorial zum Indexzugriff

Side-Event am Weizenbaum-Institut

In diesem Jahr findet am Weizenbaum-Institut eine besondere Podiumsdiskussion mit anschließendem Networking-Dinner statt.
„Souveränität im Netz – Wie eine europäische Webdateninfrastruktur Freiheit, Wirtschaft und Demokratie stärkt“
Weitere Informationen findet ihr hier.

Anmeldung

Die Anmeldung für die kostenfreie Teilnahme vor Ort und online ist ab sofort möglich. Bitte meldet euch hier an. Die Anzahl der Plätze vor Ort begrenzt sind begrentzt, darum lohnt es sich schnell zu sein!
Das Konferenzprogramm* findet ihr hier.

*Das Konferenzprogramm und die Ankündigungen der Hauptredner werden unter Vorbehalt etwaiger Änderungen veröffentlicht.

Unser OpenWebSearch.EU Projekt wurde kürzlich in einem Bericht von arte.tv über europäische Alternativen zu den Webdiensten der großen US-amerikanischen Tech-Unternehmen vorgestellt.

Das Video unterstreicht unser Engagement für die Stärkung der digitalen Souveränität Europas, inbesondere hinsichtlich Suchdiensten für das World Wide Web. Der Bericht enthält Einblicke von Prof. Dr. Ir. Djoerd Hiemstra, Professor für Datenwissenschaften und Leiter der Forschungsgruppe Information Retrieval an der Radboud University, einem der OpenWebSearch.EU Konsortialpartner. Djoerd stellte den Open Web Index in seinem aktuellen Zustand vor und erläuterte, welche Rolle er bei der Schaffung leistungsfähiger europäischer Suchlösungen spielen könnte.
Springt zu Minute 4:16, um Djoerds Einblicke zu hören:

Alternativ könnt ihr euch das Video auch direkt auf Arte.tv ansehen: https://www.arte.tv/de/videos/121620-127-A/wo-bleibt-das-europaeische-google-oder-facebook/

Pünktlich zum Abschluss des 42 monatigen EU Projekts OpenWebSearch.EU, stellen wir spannende Use Cases auf Basis des im Projekt entwickelten offenen Webindex vor

Zur Erinnerung: das OpenWebSearch.EU Projekt wurde von 14 Partner-Organisationen aus dem Forschungs-und Non-Profit Bereich umgesetzt und hatte zum Ziel, einen ersten europäischen offenen Webindex als Kernstück für souveränen strukturierten Zugang zum Internet zu gestalten.

Der OWI (Open Web Index) ist seit Juni 2025 am Start und hat bis dato stolze 1,3 Petabyte Daten gecrawlt. Im Laufe des Projekts wurden über verschiedene Open Calls, insgesamt 15 Drittpartner-Projekte eingegliedert. Das Ziel: Juristische, technische und kommerzielle Analysen und Machbarkeits-Prüfungen rund um den offenen Webindex durchführen, um eine fundierte Basis für den Ausbau einer europäischen Webdateninfrastruktur zu legen.

Sieben der Drittpartnerprojekte (Projekte aus Open Call 2) haben sich mit konkreten technischen Anwendungsbeispielen auf Basis des OWI befasst. Die Projekte zeigen eine Bandbreite dessen, was möglich ist, wenn Webindex-Daten offen zugänglich sind. Die vielversprechenden Ergebnisse haben wir kurz zusammengefasst:

Projekt VERITAS: Faktenprüfung zum Ukrainekrieg mit einem RAG-Chatbot

Die Firma DEXAI (Tschechien) entwickelte einen so genannten Retrieval-Augmented-Generation-Chatbot und eine Chrome-Browsererweiterung zur Echtzeit-Faktenprüfung. Als Testbeispiele wurden Aussagen zum Ukrainekrieg untersucht. Das System filterte 30 Tage OWS-Crawl-Daten, extrahierte Nachrichteninhalte, indexierte mittels Embeddings und nutzte ein etabliertes Large Language Model, um quellengestützte, evidenzbasierte Antworten auf Nutzeranfragen zu generieren. Nutzer:innen können so beliebigen Text auf einer Webseite markieren und erhalten eine sofortige Bewertung auf Basis verifizierter Nachrichtenquellen. Das Projekt zeigt, dass offene Webdaten domänenspezifische Faktenprüfungstools ermöglichen, die andernfalls auf proprietäre Such-APIs angewiesen wären. Die vollständige VERITAS-Geschichte ist hier nachzulesen – https://openwebsearch.eu/results-veritas/

AKASE: Die Argumente der Welt als Wissensgraph

Die Universität Groningen (Niederlande) konstruierte einen Argumentations-Wissensgraphen basierend auf über 105 Millionen Webindex-Dokumenten. Das System identifiziert automatisch argumentative Inhalte – Behauptungen und Prämissen – auf Webseiten, erkennt rhetorische Fehlschlüsse, bewertet die Argumentationslogiken und dokumentiert Stützungs-, Angriffs- und Paraphrasierungsbeziehungen zwischen Argumenten. Zu den Anwendungen gehören eine Suchmaschine, die Ergebnisse nach Argumentationsqualität neu sortiert, und ArgsBase, eine Multi-Agenten-Deliberationsplattform, die den JTS Early Career Researcher Prize gewann.
Die vollständige AKASE-Geschichte ist hier verfügbar – https://openwebsearch.eu/akase-results/

CIFFIL Service: Suchstatistiken zwischen niederländischen Kommunen teilen

Spinque (Niederlande) integrierte das Common Index File Format (CIFF) in seine Suchplattform, um niederländischen Kommunen den einfachen Austausch von Indexstatistiken zu ermöglichen. Kleine kommunale Dokumentensammlungen – teilweise weniger als 10.000 Dokumente – leiden oftmals unter schlechter Suchqualität, da der Datenbestand schlichtweg zu klein ist, um akurate Termfrequenzschätzungen (das sind Statistiken über die Häufigkeit und Relevanz bestimmter Begriffe innerhalb von Datensammlungen) abzugeben. Entsprechend können Suchergebnis-Rankings nicht effektiv gestaltet werden. Durch die Übernahme von Statistiken größerer Kommunen über CIFF können kleinere Kommunen ihre Ranking-Effektivität deutlich verbessern.
Die vollständige CIFFIL-Geschichte lesen – https://openwebsearch.eu/ciffil-results/

DTCommerce: Den Einzelhandel beim Schritt ins Digitale unterstützen

ZenLab (Slowenien) entwickelte Open-Source-Tools, um stationären Einzelhändlern den Übergang zum E-Commerce zu erleichtern. Ausgehend von einem Excel-Export aus dem Unternehmens-ERP oder Buchhaltungstool sucht das System nach Informationen zu den darin gelisteten Produkten. Dabei werden z.B. Titel, Beschreibungen, Bilder und UVPs von Lieferantenwebsites genutzt,  bestehende Beschreibungen mittels KI optimiert zum Schluß wird alles automatisch über ein WordPress-Plugin in einen WooCommerce-Onlineshop importiert.
Die vollständige DTCommerce-Geschichte gibt es hier zu lesen – https://openwebsearch.eu/ditcommerce-results/

OMMS: Open Maps als Alternative zu etablierten Maps Apps

Die E Foundation (Frankreich) nutzte die Crawling-Tools von OpenWebSearch.EU, um strukturierte Geschäftsdaten – Öffnungszeiten, Kontaktinformationen, FAQs – von Websites zu ernten, die mit OpenStreetMap-Points-of-Interest verknüpft sind. Diese Daten werden über einen Open-Source-POI-Server für mobile Kartenanwendungen bereitgestellt. Ausgehend vom Großraum Seattle und in einem zweiten Schritt weltweit stellte das Projektteam fest, dass etwa 12 % der POI-verknüpften Websites auswertbare strukturierte Daten enthalten. Darüber hinaus identifizierte das Projekt zwei vielversprechende Zukunftsrichtungen für OWS: die Veröffentlichung von POI-Relevanz-Rankings (basierend auf PageRank oder ähnlichen Metriken) zur Verbesserung der Ergebnissortierung in Open-Data-Geocodern sowie die Nutzung von Backlink-Daten als offene Alternative zu proprietären Bewertungsdatenbanken.
Die vollständige OMMS-Geschichte kann man hier lesen – https://openwebsearch.eu/results-omms/

FUN: Das Crawling des Webs neu denken

Die Universität Pisa und die University of Glasgow (Italien/UK) schlugen einen Paradigmenwechsel beim Web-Crawling vor. Traditionelle Crawler nutzen linkbasierte Heuristiken wie PageRank, um zu entscheiden, welche Seiten beachtet werden. FUN argumentiert, dass Crawler im Zeitalter der KI stattdessen Sprachmodelle einsetzen sollten, um die semantische Qualität von Seiten einzuschätzen. Das Team entwickelte vier neuronale Crawling-Strategien und testete sie auf 87 Millionen Seiten aus ClueWeb22-B. Bei natürlichsprachlichen Anfragen übertraf die beste Strategie PageRank durchgängig sowohl bei der Crawling-Effektivität als auch bei der nachgelagerten Retrieval-Qualität, während sie bei Keyword-Anfragen konkurrenzfähig blieb.
Die vollständige FUN-Geschichte gibt es hier – https://openwebsearch.eu/fun-results/

TILDE: Vertrauenswürdige Gesundheitssuche mit fairnessbewusstem Ranking

Das Know Center Research GmbH (Österreich) baute ein Gesundheits-bezogenes Suchsystem auf dem OWI auf, das über reine Suchergebnis Relevanz hinaus mögliche Verzerrungen und unterschiedliche Grade der Vertrauenswürdigkeit adressiert. Das System extrahierte medizinische Inhalte aus rund 200.000 gesundheitsbezogenen Webseiten, standardisierte sie gegen die klinische UMLS-Ontologie und implementierte eine hybride Retrieval-Engine aus entitätsbasierter und semantischer Suche. Die Besonderheit ist eine dreistufige Fairness-Pipeline: Sie reichert jedes Suchergebnis mit Vertrauenswürdigkeits- und Neutralitätsattributen an, sortiert Ergebnisse so um, dass Fairness maximiert wird, während Glaubwürdigkeit und Vielfalt der Standpunkte erhalten bleiben, und prüft die eigenen Systemausgaben auf Stereotype. Die visuelle Weboberfläche ermöglicht es Nutzer:innen, medizinische Evidenz über visuelle Wissensgraphen und facettierte Suche zu erkunden.
Die vollständige TILDE-Geschichte gibt es hier zu lesen – https://openwebsearch.eu/tilde-results/

Und wie geht es jetzt weiter?

Ein offener Webindex ermöglicht Anwendungen, die proprietäre Suche nicht bieten kann.
Die Forschungsbeiträge haben direkte Auswirkungen darauf, wie sich die Infrastruktur selbst weiterentwickeln sollte.
Mit dem Abschluss aller Open Calls, hat das OpenWebSearch.EU-Projekt eine Gemeinschaft aufgebaut, die weit über das Kern-Konsortium hinausreicht. Der Code, die Daten, die Modelle und die Tools dieser Projekte sind ganz überwiegend quelloffen und frei verfügbar. Die Infrastrukturbeiträge bestehen über das formale Projektende hinaus fort.

Der #FreeWebSearchDay (FWSD) zeigt jedes Jahr am 29. September, wie wichtig eine freie, offene und vertrauenswürdige Internetsuche für Demokratie, Transparenz und Informationsfreiheit ist. Der Aktionstag dient als Plattform, um gemeinsam über die Bedeutung der Websuche nachzudenken und neue Wege für eine offene, faire digitale Zukunft zu entwickeln.

Im Rahmen des FWSD werden in den Tagen um den 29. September, verschiedene Events rund um die offene Websuche, demokratische Teilhabe und digitale Bildung angeboten.

Programmhighlights 2025

  • Am 17. September findet ein Community-Workshop von NGI Search und der Open Search Foundation online statt, bei dem aktuelle Projekte vorgestellt und diskutiert werden.

  • Am 19. September lädt A1 Slovenija zum virtuellen Kick-off des ersten europäischen föderierten Open Web Index für die Industrie ein – ein spannendes Treffen für Start-ups, Entwicklerinnen und Innovatorinnen.

  • Am 29. September findet im UNI:Lokal Kassel ein Informationsabend rund um Suchmaschinen und KI statt.
    Das Thema „Kann man das noch gut finden?!“ soll Interessent:innen dazu einladen, an einer kritischen Diskussion über den Einfluss von Suchmaschinen und KI auf unseren Blick auf die Welt teilzunehmen (oder zu lauschen).

  • Zum Abschluss des Monats stellt am 30. September die Entwicklerin Noor Afshan Fathima die inklusive und datenschutzfreundliche Suchmaschine Nooon vor. Direkt im Anschluss folgt ein praktischer Workshop, bei dem Teilnehmende lernen können, wie sich Nooon individuell anpassen lässt.

Weitere Veranstaltungen sind hier gelistet: https://freewebsearch.org/events2025/

Eigene Events willkommen!

Neben den geplanten Programmpunkten lebt der #FreeWebSearchDay auch besonders von eurer Beteiligung: Ob Vortrag, Diskussionsrunde, Workshop oder kreative Mitmachaktion – jede Initiative zählt. Wer selbst ein Event organisieren möchte, kann sich unter melden und so Teil der europaweiten Bewegung werden.

Mehr Informationen und aktuelle Updates zu weiteren Veranstaltungen am #FreeWebSearch Day findet ihr unter:
https://freewebsearch.org

Das jährliche Internationale Open Search Symposium #ossym findet in 2025 bereits zum siebten Mal in Folge statt. Von 8. bis 10. Oktober läd das #ossym25 die Open Search Community dazu ein, nach Helskinki/Finnland zu reisen, um vor Ort beim diesjährigen Veranstaltungspartner CSC – IT Center for Science oder wahlweise online an den 3 tägigen interdisziplinären Austauschformaten zu partizipieren.

Interdisziplinäre Blickwinkel auf klassische Websuche und KI

Wie jedes Jahr, vereint das #ossym Expert:innen aus vielerlei Bereichen wie Informatik, Recht & Regulierung, Ethik, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Das siebte Internationale Open Search Symposium bietet ein Forum, um innovative Ideen der offenen und verteilten Internetsuche und deren Anwendungsgebiete weiter zu denken. Der Schwerpunkt liegt dabei auf künstlicher Intelligenz (KI), Suchanwendungen und -technologien, rechtlichen und ethischen Aspekten der offenen Websuche sowie dem Themenspektrum Informationsverwertung/Medienkompetenz.

Keynotes zu Daten Governance und Wissensmanagement

Viivi Lähteenoja ist Chief Executuve Officer bei MyData Company und gibt Impulse zum Thema Data Governance.

Harri Ketamo ist Gründer und Vorstand von Headai und spricht zum Thema „The openness of knowledge data and its role in Future Search Solutions“.

Wissenschaftliche Sessions zum Thema „Architecture & Infrastructure“

Zwei Science Tracks zum Thema “Architecture & Infrastructure” beschäftigen sich mitunter mit der Exktraktion von strukturierten Daten aus dem Open Web Index, Datenspeicherungs-Strukturen für die URL Frontier in OpenWebSearch.eu, sowie mit der Extraktion von Geo-Daten aus semi-strukturierten Daten mit Hilfe von LLMs. Common Crawl bietet zudem Einblicke in die Abdeckung diverser Sprach- und Kulturinhalte Europas.

Anwendungs-Tracks zu “Retrieval Augmented Generation & Large Language Models”

Dezentralisierte Ansätze für den Zugang zu Informationen via Browser-Agentic Web sowie die Fusion von Retrieval, Grammatik und Entscheidungsbäume zur Textgenerierung werden hier unter anderem vorgestellt und disskutiert.

Search Engine Tracks sind fester Bestandteil der #ossym Konferenzen

Eine beliebte #ossym Tradition sind die Search Engine Tracks, die sich auf alternative Suchmaschinen und deren Anwendungs-bereiche fokussieren. Bereits bestätigt sind dieses Jahr fragFinn.de und searchmysite.net.

Ethik, Recht und Gesellschaft

Und auch die nicht technischen Themenkomplexe wie etwa gesellschaftliche Interessen und Special Needs Such-Lösungen kommen nicht zu kurz und sorgen für spannende Denkanstösse.

Information and Registrierung

Das finnische Supercomputing Center CSC – IT Center for Science bietet rund 100 on-site Plätze. First come, first serve.

Alle Informationen zur Anmeldung finden Sie unter:
https://opensearchfoundation.org/events-d/ossym25-d/

Die Open Search Foundation e. V. ist eine europäische Bewegung, die die Grundlage für einen unabhängigen, freien und selbstbestimmten Zugang zu Informationen im Internet schafft. In Kooperation mit Forschungseinrichtungen, Rechenzentren und weiteren Partnern setzen wir uns ein für eine Websuche, die allen zugute kommt.
 Ganz nach dem Motto: „Together for a better net“.

Kontakt
:
Open Search Foundation e.V. – OSF

In der aktuellen Folge mit dem spannenden Titel “Kommt die europäische Suchmaschine – Wie ein unabhängiger Suchindex entsteht” sprach Podcast Host Martin Wolff mit unserem OSF Vorstand Dr. Stefan Voigt und mit Prof. Dr. Michael Granitzer über die Misslage in der aktuellen Suchmaschinen Landschaft.