In der aktuellen Folge mit dem spannenden Titel “Kommt die europäische Suchmaschine – Wie ein unabhängiger Suchindex entsteht” sprach Podcast Host Martin Wolff mit unserem OSF Vorstand Dr. Stefan Voigt und mit Prof. Dr. Michael Granitzer über die Misslage in der aktuellen Suchmaschinen Landschaft.

Mit der Vision, die Websuche auf europäischer Ebene zu revolutionieren, war die Open Search Foundation eine der treibenden Kräfte, die 2018 die Open Web Search Initiative ins Leben rief.
Im Rahmen dieser Initiative wurde 2022 das gleichnamige Projekt OpenWebSearch.eu mit 13 weiteren Organisationen aus Forschung und Wirtschaft ausgerollt, das insgesamt Kräfte aus sieben europäischen Ländern bündelt.

Nach 2,5 Jahren Entwicklungsphase, präsentiert das Konsortium im Jahr 2025 mit Stolz seinen europäischen föderierten Open Web Index Pilot, der auf den Namen OWI getauft wurde.
Diese Errungenschaft ist nicht nur ein wichtiger erster Eckpfeiler für die europäische digitale Souveränität, sondern trifft auch den Zahn der Zeit, inmitten von dringendem Handlungsbedarf angesichts der rasant fortschreitenden globalen KI-Entwicklungen.

Innovatoren und Early Adopters gesucht

Ab Juni können kommerzielle und wissenschaftliche Entwicklungsteams jeder Größe sowie interessierte Einzelpersonen auf fast ein Petabyte an offenen Webdaten zugreifen und diese unter einer allgemeinen Forschungslizenz oder – auf Anfrage – auch unter einer kommerziellen Lizenz nutzen.

Dies ist ein aktiver Aufruf an alle Early Adopters, innovative Projekte rund um vertikale Websuche, argumentative Suche, LLM-Anwendungen einschließlich RAG und mehr zu starten.

„Der OWI symbolisiert einen ersten Schritt in Richtung echter europäischer digitaler Souveränität und ist ein grundlegender Schritt, um den Weg für eine umfassende, offene, europäische KI-Landschaft zu ebnen.“ sagt OpenWebSearch.eu’s Community Managerin Ursula Gmelch und sie führt weiter aus:

„Unser Ziel in dieser ersten Pilotphase ist es, eine Reihe von Projekten aus verschiedenen Bereichen einzubinden, um frühes Feedback zu erhalten. Wir freuen uns darauf, dass die Nutzer:innen die Qualität und den Wert der aktuellen Funktionalitäten bestätigen und/oder uns dabei helfen, die tatsächlichen Marktanforderungen zu erfüllen und weiter auszubauen.“

Kick-off Veranstaltung am 6. Juni

Am 6. Juni von 10 bis 12 Uhr MESZ können findet die offizielle Kick-off-Veranstaltung via Zoom statt. 
Die Anmeldung zur Veranstaltung ist unter folgendem Link möglich:
https://cscfi.zoom.us/meeting/register/eATIpDQ5TZidh4Jzkim6FQ#/registration

 

Google’s Entscheidung, die Nutzung seiner KI in Waffensystemen nicht mehr ausdrücklich auszuschließen, wirft zu Recht die Frage auf, was freiwillige Versprechungen und Prinzipien von Unternehmen überhaupt wert sind.

Die Welt spielt verrückt! Zu diesem Fazit dürften Beobachter der jüngsten politischen Paukenschläge kommen. Bei der Münchner Sicherheitskonferenz zeigte sich, dass Stabilitätsanker der vergangenen Jahrzehnte, wie das transatlantische NATO-Bündnis, bald nur nostalgische Vergangenheit sein könnten. Die Welt befindet sich im Umbruch. Und es sind wenige Personen, die mit ihrer Macht den gesellschaftlichen und politischen Wandel gestalten. Gut ins Bild passt da Google’s Änderung der KI-Prinzipien: Der Konzern ermöglicht nunmehr eine Nutzung der firmeneigenen Künstlichen Intelligenz für Waffensysteme. Eine solche Nutzung war zuvor noch explizit ausgeschlossen. In der technokratischen Welt von heute prägen die Chefs großer Digitalkonzerne den politischen Diskurs. Elon Musk etwa hat sich durch Geld und geschickte Manöver das Vertrauen Donald Trumps gesichert. Im Namen des US-Präsidenten krempelt er nun die amerikanische Exekutive um und trifft in rasendem Tempo Entscheidungen, die gravierende Folgen für Menschen auf der ganzen Welt haben, etwa wenn Musk Entwicklungshilfe von einem Tag auf den anderen einstellen lässt. Sprechen Autoren von einem „AI Coup“, ist das keine Schwarzmalerei.

Google’s Entscheidung, die Nutzung seiner KI in Waffensystemen nicht mehr ausdrücklich auszuschließen, wirft zu Recht die Frage auf, was freiwillige Versprechungen und Prinzipien von Unternehmen überhaupt wert sind. Klar ist: Es ist Google unbelassen, seine KI im Rahmen der geltenden Gesetze auch für die Entwicklung und den Betrieb von Waffen einzusetzen. Der Umschwung Google’s verdeutlicht jedoch auch, dass Unternehmen ethische Bedenken bereitwillig über Board werfen, sofern sie sich davon wirtschaftliche Vorteile erhoffen. Das heißt natürlich nicht, dass ethische Commitments von Großkonzernen eine reine Marketing-Maßnahme wären. Es gibt viele Unternehmen, die ihre ethische und moralische Verantwortung bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz ernst nehmen und mit gutem Beispiel voran gehen. Doch gerade bei sensiblen neuen Technologien, die unsere Gesellschaft ohne Zweifel umpflügen werden, sollte die Einhaltung ethischer Mindeststandards nicht kommerziellen Akteuren zur freien Entscheidung überlassen werden. Stattdessen müssen ethische Standards über alle Branchen und Unternehmen hinweg sichergestellt sein – durch verbindliche Regulierung. Ob sich die EU-KI-Verordnung dafür als geeignetes Mittel erweisen wird, steht noch in den Sternen.

Die Causa Musk in den USA zeigt bereits heute: Haben Tech-Giganten zu viel Macht, ist kein demokratisches System vor ihnen sicher. Das gilt nicht nur für die USA, sondern genauso für Europa. Die Schwergewichte der digitalen Welt beeinflussen bereits jetzt in erheblicher Weise Gesetzgebungsprozesse. Allein Meta beschäftigt aktuell mehr als 40 Lobbyisten in Brüssel. Möchten die Europäerinnen und Europäer verhindern, dass Unternehmen rücksichtslos ihre eigenen Interessen durchsetzen, führt kein Weg vorbei an mehr Vielfalt im digitalen Raum. Um die Vielfalt und Fairness auf digitalen Märkten zu stärken, hat der europäische Gesetzgeber den Digital Markets Act (DMA) erlassen. Diese Regulierungsoffensive ist ein wichtiger Baustein, reicht aber alleine nicht aus, um Europas Bürger, Forschung und Wirtschaft vor Monopolisten im digitalen Raum zu schützen. Vielmehr braucht es europäische Lösungen, die Wirtschaft und Wissenschaft uneingeschränkt zur Verfügung stehen, um Europa konkurrenzfähig zu halten und Innovation zu ermöglichen.

Beitragsbild Meine Meinung

 

In unserer neuen Rubrik „Meine Meinung“ stellen wir Kommentare und Meinungen aus dem Open Search Foundation Team bereit. Zum Auftakt kommentierte Leopold Beer – rechtswissenschaftlicher Mitarbeiter im PriDI-Projekt – die Entscheidung von Google, eigene KI Anwendungen künftig auch für Waffenentwicklung bereit zu stellen.

Im Oktober fand in Frankfurt der alljährliche Digitalgipfel des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr statt. Rund 1500 Teilnehmer:innen diskutierten an zwei Tagen in Panels, Workshops und Fishbowl-Formaten über die Zukunft im digitalen Raum. – Es gab spannende Impulse für Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und viele andere.

Als Open Search Foundation moderierten wir eine Paneldiskussion zum Thema „Suchmaschinen, Demokratie und digitale Souveränität: Wie KI und offene Daten die Internetsuche verändern“. Unsere Panelist:innen Daphne Auer (Common Grounds), Martin Potthast (University of Kassel), Christian Kroll (Ecosia), und Armand Zorn (Mitglied im Deutschen Bundestag) wurden zu aktuellen Problemen der bestehenden digitalen Such-Infrastrukturen, möglichen Entwicklungen und Lösungsansätzen befragt.

Von l.n.r.: Stefan Voigt (OSF), Daphne Auer (Common Grounds Forum), Christian Kroll (Ecosia), Armand Zorn (Mitglied des Deutschen Bundestages)

Von l.n.r.: Stefan Voigt (OSF), Daphne Auer (Common Grounds Forum), Christian Kroll (Ecosia), Armand Zorn (Mitglied des Deutschen Bundestages)

Von Bias, Abhängigkeiten und grundlegender Regulierung

Den Auftakt machte Daphne Auer mit einem Umriss der Kernproblematik in der Suche: Bias.
„Wenn ich etwas suche, habe ich eine Wissenslücke. Die möchte ich schließen und zwar am besten schnell. Die meisten von uns nutzen dafür im Alltag die ersten ein bis drei Suchergebnisse. Aber wie objektiv sind diese Ergebnisse? Warum sollte die richtige Antwort in den ersten drei Ergebnissen korrekt repräsentiert sein? Welchen Bias haben die Ergebnisse? Westlichen Bias? Kommerziellen Bias?“ – mit diesen Worten richtete sich die Informatikerin an das Publikum.  Als konkretes Beispiel für die Relevanz vorsortierter Ergebnisse, führte sie die Ranking Positionen von Menschenrechtsaspekten im Zuge der Fußball WM 2022 in Quatar auf. Von Land zu Land erschien diese Thematik in den Suchmaschinen an verschiedenen Positionen. Ihre Schlussfolgerung: Ergebnisse in Suchmaschinen seien eher als Empfehlungssysteme und weniger als vollumfängliche Antworten zu verstehen.

Martin Potthast fokussierte sich mitunter auf die Wichtigkeit offener Daten, die für mehr Vielfalt und maßgeschneiderte Angebote im Such-Markt sorgen könnten und zudem als Basis für die Entwicklung europäischer Large Language Modelle dienen sollten. Der im OpenWebSearch.eu Forschungsprojekt entstehende Prototyp eines offenen Web Index – einer Art Katalogisierung von Webdaten – fungiere dabei als erster Schritt.

Die Abhängigkeit Europas von Amerikanischen Digitalgiganten brachte Christian Kroll in den Vordergrund. Er hypothetisierte: Sollte sich aufgrund von politischen Änderungen die USA dazu entscheiden, Europa von den Suchindizes der Anbieter Google und Bing abzuschneiden, so wäre Europa überspitzt gesagt wieder auf Bibliotheken und Telefonbücher angewiesen. Die fehlende digitale Souveränität habe vielerlei Auswirkungen auf Bereiche wie Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Armand Zorn betonte in dem Zuge die Wichtigkeit von Regulierungen wie es der Digital Markets Act und der Data Act aktuell in Europa vorsehen. Eine kluge Regulierung sei hierbei essentiell. Grundsätzlich ginge es um eine Balance von Möglichkeiten neuer Modelle im Markt auf Basis von Mindest­anforderungen, die für Objektivität und Fairness im Suchmarkt sorgen sollten. Aber auch die Aufklärung von Nutzenden sei elementar wichtig und müsse schon in Schulen beginnen. Bewusste Nutzer:innen könnten die teils undurchsichtigen Einflüsse von Informationen besser einordnen und zielführend verwerten.

Personalisierung und Vielfalt im Einklang mit Standardanforderungen

Daphne Auers Wunsch für die Zukunft der Suche bezieht personalisierte Suchergebnisse, einen Blick über den eigene Filter-Tellerrand hinaus und den Schutz von persönlichen Daten durch Anonymisierung ein. Sie bekundete ihre Hoffnung auf „mehr Brücken, weniger Polarisierung“ durch mehr sichtbare Diversität bei der Teilhabe an digitalen Dialogen sowie durch Peer-Review ähnliche Verifizierungsansätze von Inhalten, die gewisse Perspektiven spiegeln.

Auch Martin Potthast schien das Herauszoomen aus der sogenannten Filter-Bubble ein Anliegen. Er sprach die Problematik der direkten Antwort an, die zumeist eine schnelle, aber wenig differenzierte Lösung auf Fragestellungen bietet. Insbesondere durch Werkzeuge wie KI-Chatbots werden die Filterklappen künftig mutmaßlich noch enger; insbesondere wenn keine Chat-Literacy besteht. Das heißt, wer nicht richtig zu fragen weiß, wird mit schnellen, aber wenig durchleuchteten Ergebnissen einen eingeschränkten Horizont haben.

Armand Zorn sprach im Gegenzug auch die Zersplitterung der Gesellschaft durch Confirmation Bias an. Personalisierte Suche als wichtiger Teil des digitalen Alltags, aber ohne Realitätsverlust. Die Gefahr sei es, dass sich Menschen ihre eigenen Wahrheiten stricken könnten. Hier gelte es, künftig so zu regulieren, dass eine gesunde Balance aus persönlicher Freiheit und objektiver Wahrheit gewahrt wird.

Die Diskussion kann über den Youtube Kanal des Bundesministeriums gestreamt werden (Start bei Zeitmarke: 5.31 Stunden):

 

3 Tage, 120 Teilnehmer, 4 Keynotes, 11 Sessions, 2 Workshops …

Der Sommer ist noch nicht vorbei, aber wir bereiten bereits eine Reihe interessanter Veranstaltungen vor, auf die ihr euch in diesem Herbst und Winter freuen könnt!

  •  #FWSD24 – Der FreeWebSearchDay geht in sein zweites Jahr mit spannenden interaktiven Aktionen und Veranstaltungen, die am 29. September und in den Tagen und Wochen danach stattfinden.
    ➡ Mehr Informationen wie ein jeder diesen besonderen Tag unterstützen kann https://freewebsearch.org/
  •  Im Rahmen des FreeWebSearchDay bieten wir in Zusammenarbeit mit Mücke Roth & Company und der BMW Foundation Herbert Quandt am 30. September eine Online-Präsentation an. Das Thema: Eine umfassende Studie zum Marktpotenzial von Open Web Seach in Europa. Die Studie ist Teil des Third-Party-Community-Programms des EU Projekts OpenWebSearch.EU.
  •  #ossym24 – Das 6. internationale Open Search Symposium findet vom 9. bis 11. Oktober im Leibniz-Rechenzentrum bei München statt. Zu den Referenten gehören Roberto Viola – Generaldirektor, Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologie, Europäische Kommission , Dr. Martin Andree – Medienwissenschaftler und Bestsellerautor und Richard Socher – CEO bei you.com.
    Die Teilnahme ist kostenlos, und es stehen 100 Plätze vor Ort zur Verfügung. Die hybride Veranstaltung wird auch gestreamt.
    ➡ Alle Infos und Anmeldelink: https://opensearchfoundation.org/events-d/ossym2024-d/
  •  Unser PriDI-Team wird sich mit einer Session zum Thema Grundrechte im Kontext eines Open Web Indexes aktiv an der diesjährigen Plattform Privatheit Jahreskonferenz am 17. und 18. Oktober in Berlin beteiligen.
    ➡ Das Programm finden ist hier zu finden: https://plattform-privatheit.de/p-prv/jahreskonferenzen/jahreskonferenz-2024.php
  • Nicht zuletzt veranstalten wir im November dieses Jahres in Berlin eine Ethics in Search-Veranstaltung mit Ergebnissen aus unserer gleichnamigen Arbeitsgruppe. Weitere Informationen werden folgen in Kürze.

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