Open Source als Ehrenamt – ein Sichtbarkeitsproblem?

Ehrenamtliche Arbeit wird besonders dann als erfüllend wahrgenommen, wenn ihre Wirkung unmittelbar spürbar ist – etwa in der Arbeit mit Menschen oder Tieren. Ein Lächeln, ein Fortschritt, eine direkte Veränderung: Solche greifbaren Ergebnisse motivieren und machen Engagement für alle Beteiligten nachvollziehbar.

Doch es gibt auch Formen des Ehrenamts, deren Wirkung weniger sichtbar ist und gerade deshalb oft unterschätzt wird. Dazu zählt auch die Mitarbeit an Open-Source-Projekten. Die Arbeit passiert oft im stillen Kämmerlein, abseits vom Rampenlicht; Ergebnisse sind häufig abstrakt und daher nicht immer unmittelbar wahrnehmbar – aber keineswegs weniger bedeutend.

Die Petition Open Source als Ehrenamt von Boris Hinzer setzt genau hier an: Sie verfolgt das Ziel, Open-Source-Arbeit stärker als ehrenamtliches Engagement anzuerkennen und ihr mehr gesellschaftliche Wertschätzung sowie Unterstützung zu verschaffen. Als Open Search Foundation unterstützen wir diese wichtige Aktion mit unserer Stimme.

Unsichtbar, aber unverzichtbar

Was würde eigentlich passieren, wenn diese Arbeit plötzlich wegfallen würde?

Der Folgen dessen sind wir uns häufig gar nicht richtig bewusst. Dabei zeigt ein Blick auf die Zahlen, wie groß die Bedeutung von Open Source Arbeit längst ist: Plattformen wie GitHub dokumentieren eine stetig wachsende Open Source Community. Allein in öffentlichen Repositories wurden in Jahr 2025 über 1,12 Milliarden neue Beiträge verzeichnet – ein globales Rekordhoch.

Schätzungen zufolge stammen rund 50% dieser Beiträge von überwiegend unbezahlten Entwickler:Innen (Linux Foundation, Dezember 2024). Zwar werden große Projekte teilweise auch von Unternehmen unterstützt, doch ein erheblicher Teil der Arbeit basiert auf freiwilligem Engagement.

Gleichzeitig kämpfen viele Projekte mit strukturellen Problemen, wie fehlender Finanzierung, Zeitmangel und rechtlichen Unsicherheiten, wodurch ihre Entwicklung ausgebremst wird.

 

Der Aufwand hinter der Software

Open-Source-Entwicklung ist kein beiläufiges Hobby, sondern in Art und Umfang der Arbeit vergleichbar mit einem zweiten Job. Im Durchschnitt investieren Entwicklerinnen und Entwickler etwa neun Stunden pro Woche in ihre Projekte – in intensiven Phasen sogar bis zu 40 Stunden. Dies zeigt die Studie der Linux Foundation vom Dezember 2024.

Das Ergebnis dieser Arbeit nutzen wir täglich, meist ohne es zu merken:
OpenStreetMap, Thunderbird, Mozilla Firefox oder die Open Source Alternative zu MS LibreOffice sind nur wenige bekannte Beispiele.

Darüber hinaus existieren Open-Source-Projekte, die längst zur kritischen Infrastruktur gehören, die jedoch in unserem Alltag eher unsichtbar sind. Der Linux-Kernel oder OpenSSL, eine Kryptobibliothek, bilden die Grundlage für zentrale Bereiche unserer digitalen Welt – sie sind auch entscheidend für eine sichere Internetkommunikation.

Wartung statt Prestige

Ein zentraler, oft übersehener Aspekt ist die kontinuierliche Pflege dieser Projekte. Open Source bedeutet nicht nur, neue Software zu entwickeln, sondern bestehende Systeme langfristig zu warten, Fehler zu beheben und die Systeme sicher zu halten.

Die vielversprechenden Features werden häufig bezahlt – unsichtbare, aber essenzielle Grundlagenarbeit bleibt dagegen oft bei freiwilligen Mitwirkenden hängen.

Mehr als nur Code

Freie, transparente und nachvollziehbare Software ist ein zentraler Baustein des digitalen Gemeinwohls. Sie ermöglicht Innovation, schafft Vertrauen und reduziert Abhängigkeiten.

Gerade in Europa spielt Open Source eine entscheidende Rolle für die digitale Souveränität. Ohne sie wären viele staatliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse deutlich anfälliger und weniger unabhängig. Dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, lässt sich auch durch einen Aufruf der EU Kommission zur Stellungnahme zu quelloffenen digitalen Ökosystemen von Januar dieses Jahres ableiten.

Gleichzeitig lastet auf freiwilligen Entwickler:Innen eine enorme Verantwortung – häufig ohne angemessene Anerkennung oder Absicherung.

Zeit für mehr Anerkennung der Open Source Arbeit

Genau hier setzt unser Wunsch an, Open Source Arbeit als Ehrenamt stärker anzuerkennen.
Eine solche Anerkennung könnte beispielsweise konkrete Verbesserungen bringen:

  • Steuerfreie Aufwandsentschädigungen
  • Fairere Haftungsregelungen

Offensichtlich ist, dass Open Source vor allem in Deutschland, aber auch global längst kein Nischenphänomen mehr ist, sondern vielmehr tragendes Fundament unserer digitalen Infrastruktur.

Als Open Search Foundation ist es uns deshalb ein besonderes Anliegen, diese Arbeit sichtbarer zu machen und zu stärken.

Mehr zur Petition „Open Source als Ehrenamt“ von Boris Hinzer findet ihr hier: https://www.openpetition.de/petition/online/anerkennung-von-open-source-arbeit-als-ehrenamt-in-deutschland

Eines ist klar: Wenn unsere Gesellschaft den Wert von Open Source weiterhin übersieht, riskieren wir langfristig genau diese Stabilität, auf die wir uns heute selbstverständlich verlassen.

 

 

Die Zeitschrift T3N unterzieht 30 Suchmaschinen einem Kurztest.

Wei vielfältig der Markt der Suchmaschinen ist, zeigen die Kurzporträts im Magain T3N. Die Suchmaschinen werden mit ihren Spezialgebieten vorgestellt. Bewertet wird unter anderem der Datenschutz oder ob man mit der Nutzung der Suchmaschine gleichzeitig etwas Gutes tun kann. Suchaschinen mit Länderschwerpunkten oder Suchmaschinen für Kindern präsentieren die Autoren ebenso wie Suchmaschinen, die sich auf Geräusche, Bilder, Backlinks, Internetforen, Peer-2-Peer oder Bücher konzentrieren. Der Artikel zeigt: Es gibt viele Suchmaschinen, die ihren Dienst auf bestimmten Gebieten besser verrichten als der Gigant mit fast 100 Prozent Marktanteil. Es muss also nicht immer „googeln“ heißen – warum nicht Chrunchbasen, Finn fragen, Blinde Kuh spielen oder Qwanten?

Das ganze Interview in der Sendung “Zündfunk” von Bayern 2: “Die europäische Antwort auf Google”:

https://t3n.de/news/google-alternative-474551/

Dirk Wahlbrühl gibt auf „Perspective Daily“ einen Überblick über alternative Suchmaschinen – DuckDuckGo, Startpage, Ecosia, WolframAlpha.

Kompletter Artikel auf https://perspective-daily.de/article/892/EWOh5Npg?%3Fpk_campaign=FBcold&pk_source=FB&pk_content=892&fbclid=IwAR0A5KpBWc5GvAtmuxvnnmLMQPSIxBk9gzriR6PmZqqk8M7qhWhDLg5Fhow

Der Internethealthreport bietet Grundlageninformationen über Internet“gesundheit“ und Tipps für einen besseren Umgang, die wir alle recht einfach umsetzen können. Zum Beipiel:

  • Machen Sie sich darüber schlau, welche Ihrer Daten von Unternehmen wie Google und Facebook gesammelt werden, und ändern Sie Ihre Privatsphäre-Einstellungen so lange, bis Sie zufrieden sind.
  • Verwenden Sie starke Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung, um sich und Ihre Geräte zu schützen.
  • Wenn Sicherheitsupdates für die Software auf Ihrem Computer oder Smartphone verfügbar sind, sollten Sie die Aktualisierung auf keinen Fall aufschieben. Das dient nicht nur Ihrem Schutz, sondern auch dem Ihrer Mitmenschen.
  • Schärfen Sie Ihren Blick für sinnlose Inhalte und vergessen Sie nie, Fotos und Videoas, die Sie teilen möchten, auf ihre Echtheit zu prüfen. Klären Sie sich über die wirtschaftlichen Anreize auf, die in manchen Fällen zu Falschinformationen führen.
  • Stellen Sie sicher, dass die Websites, die Sie besitzen oder verwalten, verschlüsselt sind – also nur per HTTPS abgerufen werden können. Hier können Sie testen, ob das bereits der Fall ist. Wenn nicht, setzen Sie sich mit Ihrem Anbieter in Verbindung.

Alle Tipps können Sie hier lesen: https://internethealthreport.org/2018/participate/what-you-can-do/?lang=de

Der Open Search Tipp – aus unserer Sicht ganz wichtig:
Machen Sie sich schlau über die Methoden der herkömmlichen Suchmaschinen und informieren Sie sich über Alternativen zu den großen Netzwerkmonopolen. Eine Liste mit alternativen Suchmaschinen gibt es unter anderem bei t3n: https://t3n.de/news/google-alternative-474551/

T-Online gibt einen Überblick über den aktuellen Status bei den Suchmaschinen und nimmt die Alternativen unter die Lupe. Den Artikel können Sie hier lesen: https://www.t-online.de/digital/sicherheit/id_81611896/duckduckgo-qwant-oder-ecosia-statt-google-alternative-suchmaschinen-werden-beliebter.html

Die Fachzeitschrift t3n hat alternative Suchmaschinen getestet:

https://t3n.de/news/google-alternative-474551/

Die Stadtbibliothek München gibt Tipps für alternative Suchmaschinen:

https://blog.muenchner-stadtbibliothek.de/warum-nicht-mal-swisscowen-sieben-alternative-suchmaschinen/

Martin Schramm untersucht in einem Rundfunkbeitrag auf Bayern 2 ausführlich den Markt und die Funktionsweise von Suchmaschinen. Er zeigt außerdem Alternativen zu den großen Playern auf und erklärt, warum und wann diese häufig die besseren Ergebnisse bringen.

„Wer etwas im Web sucht, der „googelt“. Dabei gibt es längst datenschutzfreundliche Alternativen. Die konnten sich bislang aber kaum durchsetzen.“

Der Beitrag von Martin Schramm können Sie hier anhören:
https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/iq-wissenschaft-und-forschung/google-suchmaschine-internet-100.html